“Aktionskunst”: Sterben im Museum - Gregor Schneider

Der “Künstler” Gregor Schneider möchte einen Menschen öffentlich sterben lassen, beispielsweise in einem Museum. Also einen todkranken Menschen, der ohnehin sterben muss. Der “Künstler” wolle damit den Tod aus seiner Tabuzone herausholen. Nun erhält besagter “Künstler” Todesdrohungen.

Man mag der Kunst einiges zutrauen, aber jeder, der sich mit Kunst beschäftigt, wird wohl zugestehen, dass vieles, was sich Kunst nennt, nicht unbedingt Kunst beinhaltet. Kunst muss etwas mit Können zu tun haben. Sie darf nicht zweckentfremdet werden.

Wie soll man nun ein solches Vorhaben einschätzen ? Gar nicht. Indem man es einschätzt, holt man es bereits in die Diskussion - was wir hier leider tun. Man sollte es aber aus Gründen der Menschenwürde schlichtweg ablehnen. Dann was hier geschehen soll, ist zweierlei: einerseits dient es dem Bekanntheitsgrad des “Künstlers” - was es leider allein durch diese Artikel bereits getan hat, zum anderen soll ein Tabu gebrochen werden. Der Tod wird somit nicht aus der Tabuzone geholt, sondern ein Tabu überschritten.

Anbei ein paar weitere Vorschläge zur Tabuüberschreitung:

- Pädophile vergehen sich öffenlich an Kindern, in einem Museum beispielsweise: ”Aktionskunst”

- bei Unfällen auf Autobahnen werden Live-Übertragungen noch direkter gestaltet: tödlich Verunglückte werden interviewt, was sie denn jetzt tun wollen, wo sie doch gleich sterben werden. Ob sie sich noch eine schöne Melodie im Radio wünschten ? Zudem werden spontan Tribünen am Ort des Geschehens aufgestellt, und auch für das Wohl der Zuschauer sei gesorgt: fahrende Würstchenbuden und Dixi-Klos.

- Menschenhandel live gefilmt, beispielsweise in Bordellen.

- Perversionen aller Art live erlebt. Nicht auf dubiosen Internetseiten, sondern ebenfalls in Museum. Zeit werde es doch, diese Tabuzone zu überwinden.

Ach ja, zum Todeskandidaten: warum nicht einen aus der Todeszelle nehmen ? Fragen wir mal in den USA nach. Das hätte gleich ein paar Vorteile: wenn der Tod um 18 Uhr eingeleitet wird, könnte man um 20 Uhr noch mit Freunden weggehen. Das Abendessen wäre deswegen nicht gefährdet. Ja, Tod durch die Giftspritze, das wäre doch eine saubere Planung. Der “Künstler” hat das irgendwie nicht ganz zu Ende gedacht.

Die Frage ist also: was soll das Ganze und wem soll es nützen ? Den “Künstler” hat es in zweifelhafter Weise bereits ins Gespräch gebracht. Den Sterbenden vielleicht auch. Lasset uns doch alle öffentlich sterben. Oh, und bitte empöre sich niemand, wenn Betrunkene in die S-Bahn kotzen. Es ist Aktionskunst. Sie holt das Kotzen aus der Tabuzone heraus. Zeit wirds.

Vielleicht ist das Ganze aber noch etwas anderes: erinnern wir uns an die Niere, die in einer Spielshow in den Niederlanden angeblich versteigert werden sollte. Vielleicht ist das Ganze ein Fake. Die “Kunst” läge dann in der Kunst der Täuschung der Medien und darin, die Debatte um ein humanes Sterben aktualisiert zu haben. Dies wäre zugleich aber auch die elegante Möglichkeit, auf die sich der “Künstler” zurückziehen könnte, sollte die Kritik an ihm zu laut werden: er habe ja nur provizieren, ein Tabuthema in die Diskussion bringen wollen, es sei ja nie an eine tatsächliche Umsetzung gedacht gewesen. Wollen wir hoffen, dass sich der “Künstler” dieses Auswegs bedient.

Und noch etwas wird hier offenbar: eine Gesellschaft, in der so etwas möglicherweise tatsächlich thematisiert wird, vielleicht sogar zur Aufführung kommt, muss sich die Frage gefallen lassen, ob sie gesund ist. Denn Tabus haben ihren Sinn. Sie sind Schutzzonen des menschlichen Lebens, Grundlage des Zusammenlebens, im gesellschaftlichen Diskurs entstanden und definiert. Gläubige Menschen sehen darin zudem Tabus, die sich aus der Geschaffenheit und Ebenbildlichkeit des Menschen mit Gott in besonderer Weise herleiten lassen.

Ein “Künstler”, der so etwas tatsächlich zur Aufführung bringt, eine Gesellschaft, die dies duldet, hat ihre Mitte verloren, ihre Werte und trudelt wie ein abstürzendes Flugzeug dem Boden entgegen. Es ist ein Ausdruck von Beziehungslosigkeit der Menschen untereinander, wenn auf solche Weise das Informationsbedürfnis, die Neugier von Menschenmassen befriedigt werden soll. Es hat mit Kunst nichts zu tun. Eine Gesellschaft, die dies zulässt, hat sich selbst bereits überlebt. Sie ist morbide, hat ihren moralischen Halt verloren und droht, in sich selbst zusammenzufallen. Die Zukunft wird zeigen, ob unsere Gesellschaft diese Attribute aufweist, oder ob hier nur ein einzelner “Künstler” als Querschläger agieren möchte.

Ach ja, und noch was: um dem Argument zu begegnen, der “Künstler” wolle ja nur etwas darstellen, was ohnehin zum Leben gehöre. In diesem Fall müsste er der Frage Antwort stehen, warum er nicht einen gesunden Menschen - immerhin ein Wunderwerk aus über 80 Billionen Körperzellen - in einem Museum ausstellt ? Vermutlich, weil das keiner sehen will. Es befriedigt nicht das Gaff- und Neugierbedürfnis der Massen. Und spätestens hier tut sich der “Künstler” mit der Legitimierung seines Vorhabens sehr schwer: wenn er denn angeblich nicht das Bedürfnis der Masse nach Skandalen befriedigen will, was ist dann seine Legitimation ? Hier wird die Begründungsstruktur sehr dürftig: denn es gibt sie nicht. Es ist eben nicht in allen Bereichen sinnvoll, sich selbst heilen zu wollen, indem man seine Perversionen outet und der Masse zugänglich macht - wie man es in so vielen Talkshows erlebt - , und möglicherweise ist es sogar eine Art von Nekrophilie, die hier unter dem Deckmäntelchen der Kunst durchscheint.

Hier zu den Artikeln:

> Todeskünstler erhält Todesdrohung
> Tod als Kunst darf nicht bloß Provokation sein
> Todeskünstler bekommt Morddrohungen (Spiegel)

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was gut ist:
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>Grusskarte.

 

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Bild: monsieurlam ,flickr.com

11 Responses to ““Aktionskunst”: Sterben im Museum - Gregor Schneider”

  1. danke, dass du das thematisiert hast. ich hatte auch schon drüber nachgedacht.
    ich finde es einfach erschreckend, dass die ehrfurcht vor dem tod uns in unserer sehr offenen und brutalen mediengesellschaft verlorengegangen ist.
    ich jedenfalls möchte im sterbensfall keine reporter und kameras im zimmer haben. ich möchte meine angehörigen dabei haben und leute, die für mich beten.
    apropos beten: vielleicht sollten wir christen mehr für solche “künstler” beten, damit ihre verschrobene welt wieder in ordnung kommt und sie eine ehrfurcht vor dieser letzten tür ins jenseits bekommen…

  2. [...] Lesen Sie auch: > Diffuse Angst. > Patientenverfügung > “Aktionskunst”: Sterben im Museum - Gregor Schneider [...]

  3. Harter Tobak, wobei ich hiermit eher den Artikel meine als das Vorhaben des Künstlers. Es mag vielleicht sein, dass dies von einigen als geschmacklos empfunden wird, als pervers, nekrophil oder anderweitig krank empfinde ich den Initiator der Debatte jedoch nicht. Wenn sich freiwillig jemand fände, der Interesse daran hätte öffentlich zu sterben, wäre dies weder mit öffentlicher Vorführung pädophiler Handlungen zu vergleichen noch mit Nekrophelie oder sonstigem erwähntem Klimbims. Dies aus folgenden Gründen: Jeder sollte selbst entscheiden, was er im Falle seine Todes als würdig oder würdevoll empfindet und was nicht. Sollte wirklich jemand den Wunsch haben öffentlich zu sterben, so möge er dies gerne tun, denn in diesem Rahmen würde er noch nicht einmal den Besuchern des Museums das Beiwohnen an seinem Tode aufzwingen.

    Ein weiterer Punkt wäre die Darstellung des “Exponats”, hierbei gäbe es immer noch verschiedene Wege und dabei muss es nicht sein, dass die Würde des “Exponats” in irgendeiner Weise schaden nimmt. Wenn es um die Menschenwürde an sich ginge, so müsste jede zweite Ausstellung zum Thema Holocaust auf dem Prüfstand gestellt werden. Im Gegensatz zum “Exponat” haben die Toten auf den Bildern nämlich nicht die Möglichkeit zu entscheiden ob sie abgemagert und möglicherweise halbnackt auf einem Leichenaufen abgelegt von anderen Menschen angeschaut werden möchten.

    Die oben genannten Beispiele sind polemischer Natur, es wird vorgegaukelt, dass eine ungewollte Darstellung des eigenen Todes vergleichbar wäre mit einer selbst gewünschten. Dies ist denke ich nicht der Fall.

    Vor nicht all zu langer Zeit gab es eine ähnliche Debatte um die Austellung “Körperwelten”, da hier konservierte Tote gezeigt wurden. Dies an sich sehe ich nicht als problematisch an. Das problematische war eher, die Herkunft der Toten, da bei einer Vielzahl der Toten nicht gewiss ist, ob sie einer solchen Behandlung zugestimmt hätten.

    Spinnt man den Faden des Autors etwas weiter, sollten auch keine Leichen seziert werden dürfen, womit die gesamte medizinische Grundausbildung durch Bilderbücher geschehen müsste. Es gibt aber nicht umsonst Menschen die sich dafür entscheiden sich der Wissenschaft zur verfügung zu stellen, wieso sollten sie das also nicht auch für die Kunst tun ?

    LG Christian Hautmann

  4. Weil es nichts mit Kunst zu tun hat, sondern höchstens die Schaulust bestimmter Menschen befriedigt.
    Die Beispiele sind polemisch, aber nur, weil sie das Ganze überspitzen. Sie wirken dadurch polemisch - und machen eigentlich klar, wie sittenwidrig diese Vorstellung ist.

    Ach, zum Thema Nekrophilie…. : schau Dir doch mal die anderen Werke des “Künstlers” an, dann änderst Du Deine Meinung möglicherweise.

  5. Ich denke der Besuch einer Austellung von einem sterbenden Menschen, bei entsprechender Gestaltung, muss nicht zwangsläufig etwas mit befriedigung der Schaulust zu tun haben. Ich kann mir sogar bildlich Theologiestudenten vorstellen, die diese “Ausstellung” besuchen würden, weil sie sich vorher im privaten Umfeld kein Bild von derartigen Leiden machen konnten. Eine Stippvisite mit Medizinstudenten ist nicht großartig anders, die Studenten schauen sich Krankheitsbilder von sterbenden an, weil sie sich dafür interessieren, dass dieses Interesse reine Schaulust ist wage ich zu bezweifeln. Es gibt viele Aspekte am Sterben die sich der Schaulust entziehen.

    Über den Künstler habe ich mir keine Erkundigungen eingeholt muss ich gestehen, allerdings ist mir wichtig, dass zwischen Sitte und Moral unterschieden wird. Wenn etwas das sittliche Empfinden eines Menschen stört, muss es lange nicht unmoralisch sein, das selbe gilt vice versa. Wenn jemand für die Ankündigung solch eines Vorhabens Morddrohungen erhält, zeigt sich dieses Faktum dies ganz offensichtlich auf dem Silbertablett, und die Schaulustigen bemerken es nicht …

    LG Christian

  6. Ein Museumsbesuch hat für mich per definitionem eines Museums von vorn herein etwas mit Befriedigung von Schaulust zu tun.
    Wenn das ganze beispielsweise auf Theologiestudenten zugeschnitten wäre, wäre das von vornherein etwas anderes. Wenn es dagegen der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird, dann schwingt der Aspekt der Befriedigung der Schaulust m.E. ganz wesentlich mit.
    Theologiestudenten wären m.E. dann auch besser damit bedient, in einer Palliativstation zu hospitieren.
    Im Museum hat das Ganze nichts zu suchen. Ein weiterer Aspekt eines Museums ist nämlich der des “Kommens, Schauens, Gehens”, das Museum ist ein Durchlaufposten. Das ist m.E. nicht dazu geeignet für eine würdevolle Sterbebegleitung - zudem der Sterbende vorher in der Theorie zwar meinen mag, dass ihm das recht sei. Wenn er jedoch im Todeskampf steckt, mag die Sache ganz anders aussehen: lauter fremde, gaffende Menschen - und keineswegs nur Theologiestudenten.

    Zwischen Sitte, Moral und Ethik kann man unterscheiden, sollte sich aber im Klaren drüber sein, dass all dies immer durch den gesellschaftlichen Diskurs definiert wird - und sich ändern kann. Man könnte also beispielsweise in einen Relativismus verfallen, bei dem alles egal ist und jeder machen kann, was er möchte, sofern er niemandem auf die Füsse tritt damit.
    Will man das nicht, dann braucht man eine Grundlage, die man als Verbindlich ansieht, beispielsweise “Gottes Wort” in der Bibel und das daraus resultierende Menschenbild, das natürlich auch immer in verschiedenen Nuancen interpretiert wird.
    Geht man aber hierbei von einem Menschenbild aus, das einem Menschen eine gewisse Würde zuerkennt, so kann man zu dem Schluss kommen, dass eine derartige Demonstration in einem Museum diese Würde verletzt, weil derjenige Sterbende im Vornherein nicht wissen kann, was er tatsächlich möchte, wenn er sich im Todeskampf befindet. Es kann gut sein, dass er dann das große “Kotzen” bekommt, wenn er inmitten einer gaffenden Menge sein Leben verliert. Das ist das Problem daran. Denn es ist eben nicht nur ein nettes Schauspiel, sondern für einen der Anwesenden - den Sterbenden - ist die Sache todernst.
    Die Zuschauer dagegen gehen heim - wie nach einem Museumsbesuch.

    Eine ähnliche Thematik wird auch in der “Truman Show thematisiert: es ist eben etwas anderes, ob man Zuschauer ist, oder Akteur, dessen ganzes Leben von dieser Show determiniert wird:

    http://de.wikipedia.org/wiki/Truman_Show

  7. Auch die Trueman-Show ist nicht vergleichbar, da er ohne sein Wissen und damit auch ohne sein Einverständnis beobachtet wird. Daher hakelt der Vergleich. Ob im Sinne der Bibel die Menschen eine gottgegebene Würde besitzen, vermag ich nicht zu sagen, ich denke aber eher nein. Schließlich hat sich Jahwe oftmals so verhalten, als hätten sie diese, ihnen zugehörige Menschenwürde, eben nicht. Folgende Illustration des Sachverhaltes macht das deutlich:

    http://www.thebricktestament.com/the_wilderness/the_fire_of_yahweh/nm10_33.html

    Hätten die Menschen nämlich eine gottgegebene Würde, müsste er sie nicht zu “würdigem” Verhalten erziehen. Das Konstrukt der Menschenwürde welches du ansprichst, ist manifestiert in den Grundrechten. In der Bibel u.U. auch, hierfür fehlt mir allerdings jede Quellenlage. Gerade im alten Testament ist wenig von dem zu finden, was die Menschen heute als “christliche Werte” ansehen. Gerade dann nicht, wenn man die Handlungen Jahwes betrachtet. Ethisch betrachtet, ist eine Bezugnahme auf christliche Werte ohnehin schwierig und dies aus folgenden Gründen:

    Gerechtes Handeln ist gekennzeichnet durch: 1. objektives Handeln und 2. universelles Handeln. Beide Faktoren sind unter Bezugnahme auf christliche Werte nihiliert. Ethik ist prinzipiell den einzelnen Religionen übergeordnet. Eine nette Parabel hierzu ist die Ringparabel.

    Zum eigentlichen Problem:

    Die Menschenwürde kann gewahrt werden bei solch einer Ausstellung.
    “Die Schaulust” wäre in so fern kein Problem, als dass sie neben anderen Interessen, eines ist, das bei diesem Museumsbesuch befriedigt werden könnte. Der Einwand: ” Wenn X, die Zuschauer Leid hat ….” etc. , kann entkräftet werden mit: wird er halt dort hin gebracht wo er sterben möchte, oder halt vom Publikum abgetrennt.

    Wenn Schaulust generell unethisch wäre, müssten das Fernsehen verbooten werden, ebenso Museen, Internetseiten, Briefe, Bücher, das ganze dann bitte noch plus einmal Augen auskratzen für alle. Dahingehend kann ich deiner Argumentation also nicht folgen.

  8. Die Geschichte Gottes ist auch eine der Menschen und der menschlichen Erkenntnis Gottes. Die Liebesethik Jesu gilt uns als hermeneutischer Schlüssel, also aus Auslegungspunkt für die Bibel.

    Ganz Europa ruht auf christlich-römischem Fundament.

    Objektives Handeln gibt es ebensowenig wie universelles Handeln, sofern Du mit universellem Handeln allgemeingültiges Handeln meinst. Es gibt immer nur subjektives Handeln und es gibt nur viele subjektive Sichten, niemals aber eine wirklich objektive.
    Ethik ist nicht den Religionen übergeordnet, sondern entsteht teils aus ihnen (im Fall Europas sogar ganz zentral - und spielt mitunter sogar noch (in seiner Ausprägung des Menschenbildes) bis ins Grundgesetz mit hinein. Ethik entsteht zudem auch im gesellschaftlichen Diskurs und ist stets im Fluss gewissermaßen.
    Die Ringparabel ist ganz sinnvoll und verhindert, dass Religion zum Machtmißbrauch zweckentfremdet wird.

    Schaulust muss man wohl differenzieren: ein Buch lesen ist etwas anderes, als einem Verkehrsunfall beizuwohnen und zuzuschauen.
    Im ersten Fall bildet man sich weiter, im zweiten auch.
    Im ersten Fall schadet dies niemand, im zweiten auch nicht (sofern man nicht die Strasse blockiert).

    Dennoch gilt es im zweiten Fall als ungut, weil man zb lieber helfen sollte.
    Im Museum ist es auch so, dass dort jemand in Todesangst liegen könnte. Man steht dann - als wildfremder Mensch dabei - und sollte vielleicht lieber helfen.

    Einem Sterbenden kann die ganze Sache leicht zuviel werden. Ob er dann noch in der Lage ist, zu sagen, man solle ihn hinausschieben, ist zweifelhaft.

    Ob er wirklich hinausgeschoben wird, ist zudem auch sehr zweifelhaft (!) - denn man will es doch sehen, wie er verreckt (!) (ich wähle hier bewußt das Wort “verreckt”, weil das die Motivation der meisten Leute sein dürften, die dort auftauchen: das Gruseln, wie das wohl ist, wenn jemand stirbt).

    Zur Medienethik: http://theolounge.wordpress.com/2007/10/09/peinlich-zdf-peinlich-kerner/

  9. So, da ich heute mal wieder ein wenig Zeit habe, werde ich noch deine Anmerkungen zur Ethik ein wenig kommentieren. Objektiviät, ich habe mich da Missverständlich ausgedrückt, bezieht sich eher auf die Handlungsregeln, sofern man dann welche festlegt. Rein religiöse Handlungsnormen sind dies nicht, da sich die Einzelreligionen hinsichtlich einiger Handlungsnormen beträchtlich unterscheiden. Auch die Behauptung die Ethik sei den Religionen unterstellt kann ich nicht teilen. Denn auch nicht religiöse Menschen handeln unter Umständen ethisch, ohne sich an religiösen Ge- und Verboten auszurichten.
    Zwar diffundieren aus den einzelnen Religionen bestimmte Strebens- und sollensethische Fragmente ein, allerdings kann und wird eine Religion keine objektiven Handlungsempfehlungen machen können. Daher, oder besser: genau deshalb ist die Ethik wichtig und den Religionen überstellt, weil sie zwischen ihnen zu vermitteln vermag. Der Glaube an sich trennt an dieser Stelle jedoch die einzelnen Parteien. Die Objektivität einer Handlung meint in diesem Falle nur, dass versucht wird, notwendige Bedingungen für Gerechtigkeit zu erkennen und ihnen gemäß zu agieren. Eine rein religiöse Betrachtung vermag dies nicht, weil obektiven Bedingungen der Moral eben so zu formulieren sind, dass jeder Handelnde bzw. Betroffene eine gerechte Behandlung erfährt.

  10. Ja, Ethik entsteht natürlich auch im Diskurs, kann auch abgekoppelt gesehen werden von Religion.

    Diese Gedanken hier sind aber ganz interessant:
    http://www.jesus.ch/index.php/D/article/604-Ethik/23892-Glaube_und_Ethik_-_gibt_es_Unterschiede/

  11. andrerseits natürlich auch hier, wenn man die Ethik von der Religion abkoppeln möchte:

    http://www.jesuiten.org/peter.knauer/27.html

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