Ausgesetzt wegen drei Euro!

Gewusst haben wir es ja schon immer: So genannte „Kaffeefahrten“ sind nicht ohne! Sie werden zwar supergünstig angeboten und manch älterer Mitbürger freut sich auf einen schönen Ausflugstag mit dem Bus und denkt: ‚Kaufen muss ich ja dann nichts’. Freilich kam manch einer auch schon zurück, mit zwei dicken Betten unterm Arm – die er allerdings gar nicht benötigte…

Drei Euro!

Jetzt gab es ein erneutes Bubenstück in dieser Branche. Rentner Rainer H. aus Dresden bekam zum Geburtstag eine Glückwunschkarte, zusammen mit einer Einladung zu einer kostenlosen (!) Shoppingfahrt nach Berlin. Im Luxus-Bus. Und der Rentner freute sich, kann er sich sonst doch solche Fahrten nicht leisten, dazu reicht seine Rente nicht aus.

An einer Autobahnraststätte hielt der Busfahrer. Als die Fahrgäste wieder einsteigen wollten, verlangte der Fahrer von jedem Fahrgast drei Euro „Buchungs- und Versicherungsgebühr“. Auch von Herrn H. Aber der hatte kein Geld dabei und bestand darauf, dass diese Fahrt ja kostenlos sein solle. Was ihm vorderhand das Wiedereinsteigen in den Bus ermöglichte.

Ausgesetzt

Aber nur für einige Kilometer. Denn da fuhr der Bus kurzerhand von der Autobahn ab, hielt an und der Fahrer forderte den Nichtzahler zum Aussteigen auf!

Einfach auf der Autobahn ausgesetzt und zurückgelassen! Der Rentner ging dann immer die A13 entlang. Zwölf Kilometer – bis ihn die Polizei auffischte und mit zum Revier nahm. Von dort aus wurde er dann wieder nach Hause gebracht.

Ausgesetzt wegen drei Euro – auch das ist modernes Leben in Deutschland. Versprechen, die nicht eingehalten werden. Verkäufertricks, die sozial Schwache treffen. Manipulationen von Erwartungen. Alles, um letztendlich wieder Gewinne zu machen. Auf Kosten derer, die ganz unten leben.

Unbequem

Das wäre ja sowieso mal eine Überlegung wert: Wir entsorgen als Gesellschaft, was uns unbequem erscheint:

- Rentner auf der Autobahnraststätte „vergessen“

- Nörgelnde Kleinkinder am Flughafen abstellen

- Unangepasste Ausländer an die Landesgrenze fahren

- Stressige Hunde im Park am Baum anbinden

- Behinderte im Pflegeheim unterbringen

- Nervige Jugendliche im Erziehungscamp anmelden

- Unbequeme Ehegatten auf der Urlaubsinsel zurücklassen

- usw.

Es gibt eine alte Kontrukteurs-Regel:

„Wenn ein Teil nicht funktioniert, dann lass es weg.

Dann geht das System wieder…“.

So kann man auch eine Gesellschaft von Problemen entflechten. Kann – muss aber nicht. Denn es gäbe ja auch noch Alternativen…

Hingesetzt

Der – den meisten bekannte – Wanderprediger Jesus geriet einmal in so eine Situation. In allem Trubel um seine Person, seine Reden, seine ärztlichen Hilfeleistungen kamen zudem auch noch Frauen mit ihren Kindern, damit er sie segnen möge. Seine engsten Mitarbeiter fühlten sich überfordert und wiesen die Kleinen mit ihren Müttern ziemlich barsch ab. Sie wollten dieses (legitime) Ansinnen abweisen, sozusagen auch die Kinder „aussetzen“. Sie störten nur und hatten keine Lobby, stellten nur ein Problem dar.

Aber Jesus hielt nichts vom Aussetzen. Dafür mehr vom Hinsetzen. Mit den Kleinen. Er nahm sie auf den Arm, schmuste mit ihnen eine Runde. Im Text heisst es:

Da rief Jesus die Kinder zu sich und sagte zu den Jüngern: „Lasst die Kinder doch zu mir kommen. Hindert sie nicht daran! Denn solchen gehört das Reich Gottes.“ (Lukas 18,16)

Zeit nehmen und Interesse an den Benachteiligten – das sind die Schlüsselworte, die Jesus meisterhaft beherrschte und umsetzte.

Was hindert unsere Gesellschaft, was hindert mich eigentlich selbst, diese Denkweise im heutigen Alltag auch umzusetzen? Also nicht die Probleme aussetzen, sondern hinsetzen und dabei Jesu Ideen umsetzen – das wäre doch was!


Originalpost hier

Fotos:

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rockon/pixelio.de

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