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Der Nikolaus und die Weihnachtsmannfreie Zone


Von Stephan Achtermann.
Dass der Weihnachtsmann eine Erfindung von CoaCola ist und dass die Nikolaus-Tradition hingegen auf eine historische Person zurückgehen, ist gemeinhin bekannt. Die Scheidung von Faktum und Legende müssen dabei weniger interessieren als die Traditionsbildung. Denn es ist ein Traditionsstrang.
Für mich als Kind war es immer verwirrend, warum derselbe rot-weiße Mann am 06. Dezember Nikolaus heißt (und nur kleine Geschenke bringt) und am 24. Dezember Weihnachtsmann. Ich wunderte mich, warum die Fernsehberichte auf Holland II einen andersgekleideten Nikolaus zeigten, der per Schiff anlegte, und der einen schwarz angemalten Typen dabei hatte.
Ich versuche hier eine in groben Strichen gezeichnete Entwirrung.
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Aktion
Die Aktion “Weihnachtsmannfreie Zone” will die Aufmerksamkeit mehr auf den “echten” Nikolaus lenken. Gutes Material gibt es dort zu ordern. Prominente wie Peter Hahne, Rolf Zuckowski und Nina Ruge stehen dafür Pate.
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1500 Jahre Tradition
Die mehr als 1500 Jahre alte Nikolaustradtion geht nun auf den Bischof von Myra (heutiges Demre/Türkei) zurück. Der Nikolaus war also Türke. Zahlreiche Legende ranken sich um ihn, sodass er heilig gesprochen wurde und mehrfacher Schutzpatron wurde, u.a. für Kinder: Weil jener Bischof Nikolaus drei Jungfrauen nachts mit Gold beschenkt und sie so vor der Prostitution bewahrte, bildete sich der Geschenkebrauch heraus. Kinder wurden in der Nacht vom 05. zum 06. Dezember (vermuteter Todestag) mit Gaben auf Teller, in Schuh, Strumpf o.ä. beschenkt.
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Konfessionelle Umdeutungen
Auch Martin Luther kannte und pflegte diesen Brauch. Weil Protestanten jedoch die Heiligenverehrung ablehnen, musste dieser umgedeutet werden. Wie so oft wurde mit den Konfessionalisierung das Kind mit dem Bade ausgeschüttet. Dass z.B. aus St.Martin (in lutherischen Gegenden) das Martini-Fest wurde, ist ja noch harmlos. Doch im Fall des Nikolaus war die Umdeutung folgenschwer.
Angeblich hat Luther selbst dann das “Christkind” erfunden, um nicht einer katholischen Heiligenverehrung Vorschub zu leisten. Das “Christkind” bescherte dann zu Weihnachten, nicht mehr zu St.Nikolaus. Die reformierten Holländer taten es ausnahmsweise den Katholiken gleich und widersetzen sich zunächst. Sie feiern bis heute Nikolaus an diesem Tag.
Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurde das “Christkind” katholisch, und der Weihnachtsbaum gleich mit. Im Gegenzug stellten dann auch evangelische Christen eine Krippe auf.
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Problematischer Begriff “Christkind”
Ehrlich gesagt bin ich froh, dass es nicht heißt Jesus Christus würde die Kinder an Weihnachten beschenken. Doch wer sonst sollte das “Christkind” sein als das kleine Jesulein in der Krippe? Man beachte jedoch: Das Jesuskind macht keine Geschenke, sondern empfängt welche!
Zum anderen ist das “liebe Jesulein” auch erwachsen geworden, gekreuzigt, gestorben, begraben, auferstanden …. Ihr kennt die Geschichte.
Die Idee, dass wir stellvertretend für das Kind in der Krippe unsere Kinder beschenken, ist gut. Auch wenn es zu keiner Gleichsetzung kommen sollte. Doch wozu braucht es eine andere Person, die die Geschenke bringt? Beim Geburtstag kommt doch auch kein geheimnisvoller Geschenkewicht, sondern man weiß auch da als Kind genau, wer was geschenkt hat.
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Weihnachten
Unser Weihnachtsfest vereint in sich verschiedene Traditionen. Weih-Nacht kommt von der Nacht der Tempelweihe. Gemeint ist die Einweihung des jüdischen Tempels am 26.12.164 v.Chr., das Chanukka-Fest.
Etwa zeitgleich fand das heidnische Fest der Wintersonnenwende statt. Durch die Christianisierung wurden heidnische Feste christlich umgedeutet. Seitdem wird Christi Geburt am 24.12. gefeiert.
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Pädagogisierung des Nikolaus
Aus dem mittelalterlichen Nikolausspiel entwickelte sich wahrscheinlich im 16./17. Jahrhundert der Einkehrbrauch. Der Nikolaus kam nun in die Häuser. Er fragte religiöses Grundwissen ab, erkundigte sich nach Gebetsanliegen, und er brauchte auch Geschenke – für die braven Kinder.
Bösen Kindern drohte die Rute. Der Begleiter Knecht Rupprecht (=swarte Piet u.ä.) als Symbol des Bösen war für diesen Part zuständig.
Seit der Aufklärung leidet der Nikolaus an einer Persönlichkeitsspaltung. Einerseits blieb St.Nikolaus ein katholischer Heiliger, andererseits verschmolzen der Geschenkeonkel und Knecht Ruprecht zu einer Person. Somit war (und ist) der Nikolaus bei Kindern auch gefürchtet. Ausgereift tritt der böse Nikolaus dann 1845 als “schwarzer Bube” im Struwelpeter zu Tage.
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Kommerzialisierung
In den Niederlanden lebte der Nikolausbrauch weiter. Aus Sinte Klaas wurde Saint Claus und dann Father Christmas. Er trat als Werbe-Ikone in den Firmenfarben (rot/weiß) eines bekannten amerikanischen Getränkeherstellers auf. In diesem Outfit wurde er nach dem 1. Weltkrieg nach Europa reimportiert. Nun mutierte er zum Weihnachtsmann.

Doch im Weihnachtsmann verband sich damit auch die bereits vorhandene Tradition des “Herrn Winter”, in Osteuropa “Väterchen Frost”.

Mit den christlichen Quellen hat dieser Weihnachtsmann nichts mehr gemein. Um so dankbarer ist der Einzelhandel für die alljährliche Bescherung. Gerade im Zeichen der Wirtschaftskrise erweist sich der gute Geschenkeonkel als wahrer “Segen”…

Was können wir tun?

Die Tradition um Nikolaus und Weihnachtsmann ist wirr und verworren, die Problemlage aus christlich-theologischer Sicht vielschichtig. Was wollen wir damit anfangen und was können wir tun?

Traditionen entwickeln sich und sie haben sich entwickelt. Sie lassen sich kaum punktuell verändern. Gerade mit Traditionen der Advents- und Weihnachtszeit sind Erinnerungen und Emotionen verbunden. Von daher frage ich mich, ob die Aktion “weihnachtsmannfreie Zone” nicht über das Ziel hinausschießt. Ohnehin ist es wieder mal so eine Dagegen-Aktion. Wieso nicht eine Pro-Aktion?

Auch psychologisch ist es unklug, das Falsche immer wieder zu wiederholen. Das brennt sich durch die Wiederholung nur tiefer ein. Unser Gehirn ist eben kein Computer und kennt keine Bits (ja/nein). Wiederholen prägt. Das lässt sich mit den “richtigen” Inhalten dann ebenso nutzen. Das Falsche sollte einfach nicht mehr erwähnt werden.

Ich persönlich kann auf den Cola-Mann gut verzichten. Der Gedanke, später einmal meinen Kindern dieses Märchen vorzulügen, hat mich eh befremdet. Aber man muss ja nicht das Kind mit dem Bade ausschütten.

Wie wäre es wenn:

a) der Nikolaustag wirklich wieder ein Gedenktag des Bischofs wird. Um ihn ranken sich schöne Legenden, und damit verbunden christliche Werte. Und warum sollte der Nikolaus nicht im Bischofsgewand offiziell per Schiff o.a. einreisen und zentral seine Rolle ausführen. (Ich werde das am Sonntag im Gottesdienst tun …)

b) Weihnachten ein christliches Fest bleiben lassen. Die Weihnachtsgeschichte, der Kirchgang, die Lieder…. das alles hat doch seinen Platz.

c) Das Schenken (an Christi statt) ist auch nicht falsch, ganz im Gegenteil. Doch wozu brauchen wir einen mystischen Mann vom Nordpol ?

Von daher würde ich den Slogan gerne verändern:

Pro-Nikolaus-Zone und
Pro-Jesus-Zone.
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2 Kommentare zu “Der Nikolaus und die Weihnachtsmannfreie Zone

  1. Pingback: Weihnachtshasen, Weihnachtsmänner - oder doch das Christkind? | ThemaTisch Blog-Community

  2. Petros
    19. Dezember 2011

    Hallo!
    Ein interessantes Blog. Ich habe aber zwei Anmerkungen zu machen:
    1. Sie beklagen die Umdeutung des Nikolaus in den Weihnachtsmann, obwohl Sie im selben Atemzuge selber eine Umdeutung vornehmen, indem Sie aus dem byzantinischen Griechen einen “Türken” machen. Er war aber numal Grieche, auch wenn das, in der von einigen Hetzmedien erzeugten Griechenphobie, manchen heute unangenehm sein sollte und nicht passt.
    2. Die Weihnacht, die heilige Nacht, gilt immer noch der Geburt Jesu in Bethlehem; wäre sie dem Chanukka, also dem Menora Fest gewidmet, dann wären wir ja Juden und keine Christen…ist doch irgendwie logisch oder.
    Ihnen herzliche Grüße sendend, wünsche ich Ihnen ein Frohes WEIHNACHTsfest, (bezogen auf die Nacht, in der Krippe zu Bethlehem).
    Petros

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