Wie kann man anderen Menschen sinnvoll helfen?

Von Roland Kopp-Wichmann. Als Therapeut, Seminarleiter und Coach geht es ja im weitesten darum, anderen Menschen zu helfen. Die gängige Meinung über Psychologen ist ja oft:

“Die haben selber einen an der Waffel. Deswegen ergreifen die den Beruf. ein normaler Mensch hört sich doch nicht den ganzen Tag die Probleme anderer Menschen an.”

Etwas differenzierter sagte es mal vor vielen Jahren einer meiner Lehrer: “You teach what you have to learn.”

Doch wie hilft man nun anderen Menschen?

In der Situation ist ja jeder immer wieder. Als Führungskraft, als Partner, als Vater oder Mutter oder als Freund.

  • Doch was ist die richtige Herangehensweise?
  • Welche Einstellung sollte man dabei haben?
  • Sollte man von seiner eigenen Erfahrung ausgehen oder sich ganz auf das Erleben des anderen eingehen?
  • Helfen Ratschläge und Tipps?

Lesen Sie, was ein kluger Mann dazu sagte:

Wenn wir beabsichtigen einen Menschen
zu einer bestimmten Stelle hinzuführen,
müssen wir uns zunächst bemühen,
ihn dort anzutreffen,
wo er sich befindet und dort anfangen.
Jeder, der dies nicht kann, unterliegt einer Selbsttäuschung,
wenn er meint, anderen helfen zu können.

Wenn ich wirklich einem anderen helfen will,
muss ich mehr verstehen als er,
aber zu allererst muss ich begreifen,
was er verstanden hat.

Falls mir dies nicht gelingt,
wird mein Mehr-Verständnis für ihn keine Hilfe sein.
Würde ich trotzdem mein Mehr-Verständnis durchsetzen,
dürfte dieses wohl in meiner Eitelkeit begründet sein.
Ich möchte meine Unterstützung durch seine Bewunderung ersetzen.

Aber jede wahre Kunst der Hilfe muss mit einer Erniedrigung anfangen.
Der Helfer muss zuerst knien vor dem,
dem er helfen möchte.
Er muss begreifen, dass zu helfen nicht zu herrschen ist,
sondern zu dienen;
dass Helfen nicht eine Macht,
sondern eine Geduldausübung ist.

Der Text stammt von Sören Kierkegaard 1859.
Eine einfache Mitteilung. Die Schriften über sich selbst

Vielen Dank für den Hinweis zu diesem Text an Simone Betka

kommentar Wie gefallen Ihnen diese Worte?
Können Sie sie bestätigen oder haben Sie andere Erfahrungen?

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… oder schreiben Sie einen Kommentar.

 

Foto: Icanhascheezeburger.com

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16 Gedanken zu “Wie kann man anderen Menschen sinnvoll helfen?

  1. Ganz phantastisch. Paßt genau zu meinem (ehemaligen) Therapeuten. Und erklärt, warum manche Menschen meinen sie könnten einem helfen, was gutes tun, und man das gar nicht von ihnen möchte. Weil man sich dabei erdrückt fühlt. Wäre es okay, wenn ich diesen Text von Sören Kierkegaard auch auf meinen Blog übernehme???
    LG seelenworte

  2. Der Artikel gefällt mir auch sehr gut – hatte ihn schon auf Ihrem Persönlichkeits-Blog gelesen! :-)
    Gerade wenn jemand in einem “helfenden Beruf” tätig ist, ist diese Art Weisheit unendlich wichtig. Die “Macht-Falle” kann sehr viel Schaden anrichten und das Prinzip des geduldigen Dienens viel an Heilung bringen!

  3. Ehe ich anderen diene muss ich immer wieder beobachten, in welche Richtung ich dienen will.
    “Helfen heißt Leiden ermöglichen”

  4. Wie schön diese Zeilen mal wieder zu lesen. Aus der Perspektive des Hilfe suchenden eröffnet sich Hoffnung, darauf, dass niemand mehr beherrschen sondern wirklich helfen will.
    Aus der Perspektive des Helfenden ein wichtiger Hinweis, was und wie wirklich helfen könnte zunächst mal.

    Ganz zu schweigen von dem wunderschönen Bild dazu.

  5. Das sind wunderbare Worte und so wahr. Natürlich auch noch heute.
    Ich bin auf dem Weg anderen zu helfen und werde diese sicherlich berücksichtigen.

    Liebe Grüße,
    Milana

  6. Also,

    meiner Erfahrung nach, bedarf zur aller erst mich selbst so gut es geht zu kennen, um diesen Schritt erst zu starten.
    Danach musste ich feststellen ob der Fall ein festes Fundament verfolgt, denn jeder ist wahr ein Fall fuer sich und bedarf es auch so betrachtet werden.
    Alleine ist es auch unmóglich andere wirkliche Hilfe zu gewährleisten.
    Meistens handelt es sich um Geistige, Kulturelle oder Spirituelle Schwierigkeiten.
    Finanzielle Hilfe bedarf keine alleinige, dies handelt sich um notwendigkeit etwas mehr zu lernen und begreifen.

    Vorurteile tragen sehr viel zu diese Bedürfnisse .
    Wir Menschen sind noch entfernt einer ausgegliechene Haltung unserer Nächsten gegenüber.

    Jens

  7. Oh, wir danken Dir vielmals, zu gütig. Fühle auch Du Dich geliebt und gekuschelt und mit den sanften Worten der Nächstenliebe umschmeichelt.

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